Unsere erst Station am Samstag Morgen war das Rathaus. Um ein wenig mehr von der Innenstadt zu sehen, stiegen wir bereits an der U-Bahn-Station Gänsemarkt aus, um von dort entlang der Alster zum Rathausmarkt zu schlendern. Im Innenhof des Rathauses steht der Hygieia-Brunnen, der an die Choleraepidemie von 1892 erinnert.
Die Figur "Mann mit Schiff" auf dem Hygieia-Brunnen
Vom Rathaus aus war es dann auch nicht mehr weit bis zur Speicherstadt, die selbstverständlich nicht ausbleiben durfte.
Auf dem Weg zur deutschen Hauptstelle von Greenpeace geriet Veronika dabei etwas auf Abwege. Eine Gruppe von Jungs die über den Eisenträger eine Brücke laufen wollten, trauten sich nicht und drehten nach wenigen Meter um. Sie staunten nicht schlecht, als Veronika es ihnen gleich tat, aber komplett drüber lief.
Die Jungs staunten nicht schlecht, als sie Veronika auf Abwegen sehen.
So viel schönes gibt es in der Speicherstadt zu sehen
Auch die noch nicht ganz fertige Philharmonie haben wir und angesehen. Den Klängen der Oper kann man heute schon lauschen.
Veronika lauscht der Philharmonie
Hafencity Hamburg
Nach Eis und Tee ging es zum Schluss noch ins Kaffee- und Gewürzmuseum.
Was macht der ordentliche Tourist, wenn er in den Schwarzwald fährt? Er geht auch mal wandern. So wie sich das gehört. Am besten noch mit Stock und Hut. Doch der zünft'ge Wandersmann braucht auch ein Ziel! Und welches Ziel könnte schöner sein, als eine echte Brauerei? Für Stock und Hut hat es bei mir an diesem Wochenende nicht gereicht, aber die Brauerei Alpirsbacher war Pflicht.
Bei meinen Vorbereitungen war ich von ungefähr 15 Kilometern Waldweg ausgegangen. Schlecht getroffen habe ich es nicht. Die Strecke von Dietersweiler nach Alpiersbach sind ziemlich genau 16 Kilometer Wanderweg. Auf jeden Fall eine machbare Strecke. Am Sonntag hieß es also, die Schuhe zuschnüren und loslaufen. Der Weg war nicht so schwer zu finden, aber ein GPS-Gerät mit Openstreetmap-Karten, macht es einem dann doch deutlich leichter, sich nicht zu verlaufen.
Schon beim Start war mir klar, dass ich das erste Stück bis Loßburg heute Abend wieder sehen würde. Dort ist nämlich ein Bahnhof, von dem aus ich Nachmittags wieder zurück zur Ferienwohnung laufen wollte. Insgesamt werde ich heute also 22 Kilometer wandern.
Doch warum lege ich eine so weite Strecke zu Fuß zurück, nur um ein Bier trinken zu können? Ich könnte jetzt hochtrabend einen auf Biersommelier machen und von dem mehrfach prämierten Bier aus der kleinen Privatbrauerei schwärmen. Aber nennen wir das Kind doch beim Namen! Es ist eine Brauerei und natürlich gibt es dort auch Bier. Braucht man noch mehr Gründe?
Kloster Alpirsbach
Kaum in Alpirsbach angekommen, begrüßt einen schon das Alpirsbacher Kloster. Die Mönche haben hier seiner Zeit zwar eigentlich kein Bier gebraut (außer in der Fastenzeit). Nichts desto trotz ist der Bier brauende Mönch das Markenzeichen von Alpirsbacher. Macht sich in der Werbung besser. Und der dicke Klostermönch, mit seinem Krug in der Hand, sieht ja auch sehr gemütlich aus.
Ein Glas des naturtrüben Alpirsbacher Zwickel
Bevor ich in den Schwarzwald fuhr, bat mich ein Kumpel, doch unbedingt einen Kasten Alpirsbacher mitzubringen. Erst konnte ich seine Euphorie nicht so ganz verstehen. Nach der Führung habe ich dann zwei der 16 verschiedenen Biersorten testen können und wusste, dass ich nach dem Urlaub noch ein paar Kästen mehr im Kofferraum haben würde. Das Bier war nämlich wirklich lecker. Einen Tag später sah mein Auto dann anders aus, als auf der Hinfahrt.
Da hätte eigentlich noch ne Etage oben drauf gepasst
Wenn ich in Urlaub fahre, sollte ich nicht erst Freitags morgens vor der Arbeit anfangen zu packen. Nicht nur, dass ich viel früher aufstehen musste als sonst, sondern auch essentiell wichtige Ding vergesse, wie zum Beispiel meine Reservierung für die Pension. Das ist mir aber erst eingefallen, als ich schon hinter Karlsruhe war.
Ich wusste wirklich nichts mehr, weder eine Telefonnummer, noch einen Namen. An die Adresse war gar nicht zu denken. So richtig habe ich mir aber trotzdem keine Gedanken gemacht. Ich wusste schließlich noch den Stadtteil wo ich hin muss und so viele Pensionen wird es in einem kleinen Schwarzwald-Ort bestimmt nicht geben.
Weit gefehlt! Vor Ort musste ich feststellen, dass es so viele Pensionen gibt, dass selbst die einheimischen nicht wissen, wen sie alles vermitteln sollen. Ich habe zunächst versucht, mich rum zu fragen, das brachte mich aber nicht wirklich weiter.
Meine letzte Hoffnung war die hiesige Pizzeria La Rustica, dich ich als letzte hell erleuchtet gesehen habe. Verzweifelt laufe ich rein und bitte die Kellnerinnen um Hilfe, weil ich keine Ahnung hätte, was ich machen soll und wo ich hin muss. Alles was ich nur wusste war, dass ich eine Pension in Freudenstadt-Dietersweiler gebucht habe und ich 35 Euro pro Nacht zahlen muss. Das war selbst für die Einheimische zu wenig Information. Den beiden Damen am Tresen war ich aber so dankbar, wie sie sich ins Zeug gelegt haben, dass ich meine Pension finde.
Es war einfach unglaublich, was die für einen wild Fremden gemacht haben. Kellnerin Conny hat angefangen, den halben Ort anzurufen, nur um mir zu helfen. Nach einer Stunde suchen, haben wir die Pension gefunden, bei der ich gebucht habe. Wir wollten gerade dort anrufen, als plötzlich mein Telefon klingelte. Es war der Pensionsbesitzer, der verärgert fragte: "Kumme Sie aeigentlisch nouch? Es ischt schon halb zähn und sie wollde doch spätestens um 21 Uhr do saeie."
Ich erklärte kurz, dass ich schon eine Stunde im Ort bin, aber bis jetzt noch nicht wusste, wo ich eigentlich hin muss. Conny hatte mich noch hingefahren, dass ich direkt den Weg finde.
Am nächsten Abend war ich nochmal in der Pizzeria, um etwas essen zu gehen. Da haben Conny und ich auch ein kleines Schnäppsle auf die Aktion vom Vortag getrunken. Einer der Restaurantgäste hat ein Foto von uns geschossen, das fast scharf geworden ist.
Mein erster Eindruck von den den Leuten hier war super. So freundliche und hilfsbereite Personen findet man nicht überall. Den guten Eindruck ließ ich mir auch nicht vom Pensionsbesitzer vermiesen, der der Schwabe vor dem Herren war. Dazu aber im nächsten Post mehr.
Eine Nacht haben wir gefeiert, uns besoffen und sind lange aufgeblieben. Beste Voraussetzungen für einen dicken Schädel. Von unserem Fenster-Speier brauchen wir gar nicht anzufangen. Dem ging es so schlecht, dass er praktisch nicht ansprechbar war. Frank und Micha klagten über Kopfschmerzen, aber sonst schien es zu gehen. Mir selber ging es super.
Bei Tageslicht und einigermaßen nüchternem Kopf sah das Malheur am Fensters noch schlimmer aus, als gestern Nacht. Aber sonst war der Ausblick perfekt, denn die Sonne schien. Es war sogar so warm, dass man ohne Probleme im T-Shirt rumlaufen konnte. Es wäre also viel zu schade gewesen, den Tag in der Wohnung zu hocken und auszunüchtern.
Wir guckten noch ein paar Minuten Olympia, weil ich ja schließlich auf eine Goldmedaille der Deutschen gehofft hatte. Die Langlaufstaffel der Frauen war auch sehr knapp. Der Lauf entschied sich auf den letzten 100 Metern zwischen Finnland, Schweden und Deutschland. Leider gingen die Deutschen als dritter ins Ziel. Für den Rest des Tages sollte es auch kein Gold mehr geben.
Wir gingen ins Café Haidhausen brunchen, ließen aber das Häufchen Elend auf eigenen Wunsch hin auf der Couch ausnüchtern. Zum Frühstück gab es im Café Bauernomelett und American-Style-Breakfast, was nach dem gestrigen Abend genau das richtige war.
Bei schönstem Wetter laufen wir in die Stadt
Nach dem Essen ging es weiter in die Stadt. Unser Ziel war der Laden SoulGoods. Warum musste es genau dieser Laden sein? Am Donnerstag bevor ich nach München gefahren bin, hatte ich in Düsseldorf die Tasche "Jack" von FeuerWear gesehen, die wie für mein Tablet gemacht ist. Gehypt wie ich war, wollte ich die Tasche heute unbedingt kaufen gehen und SoulGoods führt die Marke. Das besondere an FeuerWear ist, dass alles aus alten Feuerwehrschläuchen hergestellt wird. Das ist nicht nur eine witzige Idee, sondern sieht auch ziemlich gut aus.
Künstlerisch wertvolles Stillleben mit Tasche
Auf dem Weg zurück zum Frank überlegten wir, wie es unserem alkoholkranken Freund wohl geht. Jeder hatte einen anderen Gedanken: Entweder ist er gar nicht vom Fleck gekommen und liegt noch immer im Bett, er ist in Franks Bad und hängt über'm Klo oder er ist einfach Heim gegangen. Doch wir sollten alle falsch liegen. Inzwischen war Chris wach. Mit Eimer und Putzlappen in der Hand, guetwas ckte er aus dem Fenster und machte alles sauber. Nachdem Franks Fenster wieder vernünftig aussah, ging er runter zu den Nachbarn und machte auch deren Fenster noch sauber. Eine Nachbarin musste lachen, als sie ihn mit dem Eimer vor der Tür stehen sah.
Abends sind wir ins Baal essen gegangen. Dort spielte die Band Living Tones, die wir uns ansehen wollten, weil Micha's Schwester auch darin spielt. Die Singer-Songwriter Band spielt Musik, wie sie auch schon 1968 von den Hippies gemacht worden wäre. Die vier Musiker haben zwar gut gespielt, aber leider muss ich sagen, war es nicht ganz meine Musik. Zudem ging das Konzert mit zweieinhalb Stunden Spielzeit zu lang.
Da ich relativ spät aufgestanden bin und auch gegen 11 Uhr gefrühstückt hatte, war ich bis spät in den Nachmittag hinein nicht hungrig gewesen. Um 16 Uhr musste dann aber doch etwas in den Bauch rein. Was typisch magdeburgerisches sollte es sein. Ohne zu wissen, was das eigentlich ist, habe ich nach bürgerlicher Küche gesucht.
Fragt man Google nach deutscher Küche in Magdeburg, findet man so viele Möglichkeiten, dass man sich kaum entscheiden kann. Gut klingen sie alle. Die Bötelstube, die Hegel-Bierbar oder die Stadtfeldklause sind nur einige davon. Doch entschieden habe ich mich für den Ratskeller, der im alten Rathaus ist.
Er ist direkt in der Innenstadt am alten Marktplatz. Dort angekommen, wird man von der Statur des Magdeburger Rolands empfangen. Am Eingang wurde man herzlich eingeladen, einzutreten und dass man das Glück hat, zwischen 15 und 17 Uhr das Essen zum halben Preis zu genießen. Ideal für notorische Spätaufsteher und Studenten.
Der Magdeburger Roland
Der Ratskeller ist genau das, was man sich darunter vorstellt - rustikal. Das hohe Kellergewölbe mit seinen massiven, gemauerten Säulen bietet einfach das perfekte Ambiente für ein Restaurant dieser Art. Die dunklen, massiven Möbel leisten ebenfalls ihren Beitrag.
Gerichte, wie die Ratsherrenplatte oder der Senatorenteller klangen schon mächtig, aber traditionelle Magdeburger Küche war es leider nicht. Ich hatte mich eigentlich schon auf den Senatorenteller eingeschossen, als ich das "Magdeburger Bötel mit Lehm und Stroh" auf der Karte sehe. Was mich erwarten würde konnte ich vorher nicht genau sagen, aber ich war ja schließlich hier her gekommen, um eine lokale Spezialität zu essen. Als Getränk sollte ein Schwarzbier am besten dazu passen.
Lange warten musste ich nicht. Ein Bötel ist ein gekochtes Eisbein mit Ebsenmuß (Lehm) und Sauerkraut (Stroh). Dazu gab es eine einsame Kartoffel.
Was soll ich sagen? Das Essen war absolut klasse. Der Kellner hat nicht zuviel versprochen, als er sagte, dass das Fleisch sehr zart sei. Ich habe schon lange nicht mehr so zartes Fleisch gegessen. Auf den Meerrettich und den Senf habe ich zwar verzichtet, aber sonst war das Essen so gut und so reichlich, dass ich es jedem nur empfehlen kann, mal ein Bötel mit Lehm und Stroh zu probieren.